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Barrierefreies Bad ohne Klinikoptik: So geht es wirklich

Die meisten Anforderungen sind unsichtbar. Sichtbar wird nur das, was man falsch auswählt.

Die kurze Antwort

Barrierefreiheit betrifft überwiegend Maße, Tragfähigkeit und Schwellenfreiheit. Nichts davon ist am fertigen Bad zu sehen. Was den Klinikeindruck erzeugt, sind Produktentscheidungen: weiße Kunststoffgriffe, Edelstahl im Pflegeheimstil, Klappsitze aus dem Sanitätshaus, harte Kontrastfarben. All das lässt sich ersetzen, ohne eine einzige Funktion aufzugeben. Die Orientierung gibt DIN 18040-2.

Was wirklich gefordert ist

Ausreichende Bewegungsflächen vor den Objekten. Eine Türbreite, die auch mit Rollator oder Begleitperson funktioniert. Ein schwellenloser Zugang zur Dusche. Tragfähige Wände dort, wo Haltegriffe sitzen. Sitzhöhen, die das Aufstehen erleichtern. Und eine rutschhemmende Oberfläche im Nassbereich, deren Ausführung wir projektbezogen mit dem Material festlegen.

Man sieht von dieser Liste nichts, außer der schwellenlosen Dusche, und die ist heute ohnehin das gefragteste Element in jedem Bad. Die technischen Zusammenhänge stehen unter bodengleiche Dusche.

Woher der Klinikeindruck kommt

Aus vier Quellen. Erstens die Griffe: weißer Kunststoff oder gerippter Edelstahl, beides aus dem Pflegekatalog. Zweitens die Materialwahl: viel Weiß, glatte Flächen, kalte Lichtfarbe. Drittens sichtbare Technik wie freistehende Duschhocker und Notrufknoten. Viertens harte Kontraste, die aus Sicherheitsgründen eingesetzt werden und im Wohnraum fremd wirken.

Keiner dieser Punkte ist zwingend. Sie sind Gewohnheit, entstanden aus dem öffentlichen Bau, wo andere Regeln gelten als in einem Privathaus.

Griffe, die keine Griffe sind

Stützklappgriffe und Haltestangen gibt es inzwischen in denselben Oberflächen wie Armaturen: gebürstetes Messing, Schwarz matt, Bronze. Richtig ausgewählt liest man sie als Handtuchhalter oder als Teil der Armaturenfamilie.

Entscheidend ist die Konsequenz: Griff, Armatur, Duschstange, Spiegelrahmen und Accessoires in einer Oberfläche. Dann fällt kein einzelnes Bauteil auf. Dieselbe Regel gilt in jedem Luxusbad, nur mit anderem Anlass.

Die Sitzbank statt des Klappsitzes

Ein gemauerter, mit Stein belegter Sitz im Duschbereich erfüllt dieselbe Funktion wie ein Klappsitz aus dem Sanitätshaus und sieht aus wie ein gestalterisches Element. Er kann zugleich als Ablage dienen und die Dusche räumlich gliedern.

Wichtig ist die Höhe, die sich an denselben Werten orientiert wie die Sitzhöhe des WCs. Und eine Wandkonstruktion, die belastbar ist. Beides wird in der Planung festgelegt, nicht auf der Baustelle.

Licht als Sicherheitsfaktor

Blendung ist im Alter ein größeres Problem als Dunkelheit. Eine nackte Lichtquelle im Sichtfeld verschlechtert die Orientierung, auch wenn der Raum insgesamt hell ist. Deshalb arbeiten wir mit indirekten Ebenen und blendfreien Leuchten.

Dazu das Nachtlicht: eine sehr gering gedimmte Lichtquelle in Bodennähe, über Bewegungsmelder geschaltet. Es verhindert Stürze und ist gleichzeitig das Detail, das Kunden im Nachhinein am häufigsten loben.

Vorbereiten statt heute umsetzen

Der häufigste Weg in unseren Projekten. Das Bad wird heute normal gestaltet, aber so gebaut, dass es sich später ohne Rückbau anpassen lässt: tragfähige Wände hinter der Fliese, ausreichende Türbreite, schwellenloser Zugang, Leitungsführung mit Reserve.

In der Bauphase kostet das fast nichts. Nachträglich bedeutet jeder dieser Punkte ein zweites Projekt mit geöffneten Wänden. Was dazugehört, steht unter barrierefreies Bad und im Ablauf unserer Komplettsanierung.

Wenn die Fläche knapp ist

Dann wird es eine echte Planungsaufgabe, weil Bewegungsflächen Platz brauchen. Meist lässt sich das über die Tür lösen, über wandhängende Objekte und über den Verzicht auf ein Objekt, das ohnehin selten genutzt wird.

Die Hebel dazu stehen unter kleines Bad renovieren. Den Ablauf vom Aufmaß bis zur Übergabe beschreibt Badsanierung Ablauf. Solche Projekte setzen wir häufig in Bad Homburg und Wiesbaden um, wo viele Eigentümer für die nächsten Jahrzehnte planen.

Kurz zusammengefasst

Barrierefreiheit betrifft Maße, Tragfähigkeit und Schwellenfreiheit, also fast nur Unsichtbares. Der Klinikeindruck entsteht durch Produktwahl, nicht durch Anforderungen. Griffe gibt es in denselben Oberflächen wie Armaturen. Eine gemauerte Sitzbank ersetzt den Klappsitz. Blendfreies Licht ist ein Sicherheitsfaktor, ein gedimmtes Nachtlicht ebenso. Und der häufigste Weg ist das unsichtbare Vorbereiten.

Häufige Fragen

Muss ein barrierefreies Bad nach Pflege aussehen?

Nein. Die meisten Anforderungen betreffen Maße, Tragfähigkeit und Schwellenfreiheit, nicht das Aussehen.

Kann man ein Bad barrierefrei vorbereiten, ohne es heute so zu bauen?

Ja, und das ist der häufigste Weg. Tragfähige Wände, ausreichende Türbreiten und ein schwellenloser Zugang kosten in der Bauphase fast nichts.

Welche Norm gilt für barrierefreie Bäder?

DIN 18040-2 für Wohnungen. Im privaten Wohnungsbau ist sie nicht verpflichtend, wird aber bei Förderungen herangezogen.

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